Büro zum Quadrat
- Text: Marie Bruun Yde
- Fotos: Adam Mørk
Zwischen Smart Commercial Building und XXL-Spiegelskulptur: In Berlin glänzt ein neues, aufsehenerregendes Gebäude. Das würfelförmige Haus neben dem Hauptbahnhof hilft, den bisher weitgehend unbekannten Washingtonplatz als Adresse auszubilden.

Als solitäres Bürogebäude auf dem Washingtonplatz zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und der Spree hebt sich Cube Berlin mit seiner asymmetrischen Glasfassade von den repetitiven Rasterfassadenhäusern ab, die hier in den vergangenen Jahren entstanden sind. Cube ist fraglos anders, er ist freier, eigenartig. Betrachtet man das Haus aus der Ferne, spielt das Licht mit der Fassade und lässt an sonnigen Tagen einen gläsernen, türkisfarbenen Schmetterling entstehen. Die Halbtransparenz gibt Tiefe und verleiht dem Haus etwas Freundliches, man erahnt die Silhouetten der Menschen im Haus. Kommt man näher, spiegelt sich die Umgebung kaleidoskopisch in der Fassade. Und man spürt, dass sich die Stimmung auf dem Washingtonplatz verändert hat.
Der Stadtraum, der hier früher zerfloss, wirkt jetzt geordnet, klarer gefasst.

Lange stand der Berliner Hauptbahnhof mitten im Nichts, der Washingtonplatz auf seiner Südseite war Baustelle und im Grunde nicht vorhanden. So bestand ein großer Druck, dem Platz als öffentlichem Raum und Tor zur Hauptstadt gerecht zu werden, ihn ästhetisch aufzuwerten und als Adresse auszubilden. Schon 2007, ein Jahr nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs, gewann 3XN den Wettbewerb für das geplante Bürogebäude. Mit der Finanzkrise wurde das Projekt auf Eis gelegt und erst 2015 wieder aufgenommen. Im Frühjahr 2020 war das Gebäude endlich fertig. Der Stadtraum, der hier früher zerfloss, wirkt jetzt geordnet, klarer gefasst.

Das frei auf dem Platz stehende, verdrehte Würfelvolumen von 3 x 42,5 Meter des Cube ist eine Festlegung, die bereits Oswald Matthias Ungers’ Masterplan von 1994 traf. Der positive Effekt des Quadrates: Das Haus hat keine Rückseite, von allen Seiten zeigt der Cube sein Gesicht. Die Architekten sind kreativ mit den Vorgaben des Masterplans umgegangen, indem sie die Fassade falteten und zeltartige Öffnungen hineinschnitten. Der Wunsch nach Terrassen an dem eigentlich monolitisch erscheinenden Gebäudevolumen führte zur Ausbildung einer doppelten Glasfassade. Die innere Fassade besteht aus üblichem Thermoglas, die äußere, sprossenlose Glasfassade bildet eine Art Haut. Dazwischen liegen die origamiartig gefalteten Terrassen, die von außen aber kaum zu sehen sind.

Das Foyer im Erdgeschoss ist öffentlich zugänglich. Um weiter ins Gebäude hineinzukommen, benötigt man die App, die den Nutzern des sogenannten Smart Commercial Buildings zur Verfügung gestellt wird. Über die App werden Licht und Temperatur reguliert, es können Räume gebucht und eine Übersicht, wo im Gebäude sich gerade viele Menschen befinden oder wo noch Platz ist, abgerufen werden. Insbesondere Letzteres könnte eine Antwort auf Corona-Fragen anbieten.


für die Gemeinschaft. Das Holz steht im Kontrast zum Glas. Foto: Daniele Ansidei
Viele der Nutzer – unter anderen die Deutsche Bahn, eine Anwaltskanzlei, ein Softwareunternehmen und das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup – haben aber schon ihre eigenen Systeme und müssen das „Cube-Gehirn“ erst noch kennenlernen. Vom ersten Obergeschoss an aufwärts ist alles privat, die Etagen sind sehr getrennt, die Nutzer haben sich individuell mit eigenen Teppichen, Möbeln und Farben eingerichtet. Oben auf dem Dach, auf der Holzterrasse, bietet sich nach allen Seiten ein eindrucksvoller Blick über Berlin. Unten auf dem Platz laufen Passanten vorbei, manche von ihnen sind in Eile, Touristen lassen sich eher Zeit. Der Washingtonplatz ist einladender geworden.

Eurosmart Cosmopolitan E von GROHE wartet mit intelligente Technologien, die das Gebäudemanagement entlasten. So können beispielsweise Nutzungsdaten abgerufen und analysiert werden. Foto: Daniele Ansidei
Projektreportage Cube
Architekten
3XN
Kanonbådsvej 8
1437 Copenhagen K, Dänemark
Gegründet 1986 in Dänemark ist 3XN heute ein international tätiges Büro mit über 100 Mitarbeitern in vier Ländern. Das Hauptquartier ist in Kopenhagen, weitere Niederlassungen gibt es in Stockholm, New York und Sydney. Zum Portfolio gehören zahlreiche Projekte im Bereich Kultur-, Gewerbe- und Wohnungsbau. Seit 2007 gehört auch GXN zum Büro, ein Innovationsunternehmen, das digitale Techniken, neue Materialien und umweltfreundliche Technologien erforscht.
Projekte (Auswahl)
2023 Fish Market Sydney, Australia
2019 Olympic House – IOC headquarters, Lausanne, Schweiz
2013 The Blue Planet National Aquarium, Copenhagen, Denmark