PROJEKTREPORTAGE

Bungalow in Berlin-Frohnau
Zappe Architekten, Berlin

Foto: Caroline Prange

Horizontale im Wald

  • Text: Dagmar Hoetzel
  • Fotos: Caroline Prange

Das Einfamilienhaus gilt noch immer als die beliebteste Wohnform in Deutschland. Auch ein junges Paar mit Hund suchte ein Haus mit Garten. Und fand einen etwas in die Jahre gekommenen, sanierungsbedürftigen Bungalow in Berlins nordwestlichem Stadtteil Frohnau. Zappe Architekten unternahmen den Spagat, das Haus gestalterisch in seine Ursprungszeit zurückzuführen und bautechnisch auf den heutigen Stand zu bringen.

Zappe Architekten, Berlin

Frohnau wurde zwischen 1908 und 1910 gegründet und rund um den Vorortbahnhof nach dem Vorbild der englischen Gartenstadt geplant. Der Erste Weltkrieg verhinderte den raschen Bau, die meisten Häuser der Gartenstadt wurden erst zwischen den beiden Weltkriegen errichtet, bevor sich um den städtebaulich und architektonisch kongruent gestalteten Ortskern weitere Ringe gelegt haben: Villen, Ein- und Mehrfamilienhäuser aus allen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts.

Der Anbau öffnet sich in östlicher Richtung zur Terrasse mit Blick auf einen großzügigen Teich, in dem japanische Kois ihre Heimat gefunden haben.

Das Haus, das das Paar gefunden hatte, stammt aus den beginnenden 1960er Jahren. Der mit dem Umbau und der Sanierung beauftragte Architekt Stefan Zappe beschreibt seinen ersten Eindruck so: „Es gibt Ikonen aus dieser Zeit, die eine Leichtigkeithaben – die hatte das Haus nicht.“ Es ist viel eher ein einfaches Haus, das zwar typische Merkmale seiner Erbauungszeit aufweist, wie ein Flachdach und eine großzügige Verglasung vom Wohnraum zum Garten, aber es fehlt an kongruenter Gestaltung. Zudem wurden dem Gebäude im Laufe der Zeit einige willkürlich erscheinende Anbauten von schlechter Substanz hinzugefügt. Also begann die Arbeit des Architekturbüros Zappe aus Berlin mit der üblichen Bestandsaufnahme: Welche räumlichen Qualitäten hat das Gebäude, welche gilt es zu erhalten, zu stärken oder gegebenenfalls hinzuzufügen.

Der Bungalow liegt am oberen Rand eines Hanggrundstücks. Man betritt es im unteren Geschoss, wo sich Gästezimmer, Bad und Kellerräume befinden. Eine einläufige Treppe führt in die obere, zum Garten hin ebenerdige Etage. Etwas ungewöhnlich ist, dass sich die Ausrichtung hier um 90 Grad wendet – im Gegensatz zu der üblichen linearen Anordnung von Vorgarten, Haus, privater Garten, liegt dieser hier seitlich. Das obere Geschoss ist U-förmig angelegt, in einem Flügel befinden sich Ess- und Wohnraum, im anderen Bad und Schlafzimmer, dazwischen Küche und Ankleide. Er habe die Verbindung vom Garten zum Haus wieder stärken wollen, sagt der Architekt. Also eines der klassischen Merkmale eines Bungalows wieder hervorheben. Und zudem ein weiteres Element – die horizontale Betonung – hinzufügen: „Dem Haus etwas geben, was es eigentlich nie hatte.“

„Es gibt Ikonen aus dieser Zeit, die eine Leichtigkeit haben – die hatte das Haus nicht.“

Stefan Zappe

Die wintergartenähnlichen Anbauten vor den Flügeln wurden entfernt, nur ein seitlicher, massiverer blieb erhalten, der aber versteckt liegt und quasi weder vom Garten noch von vorne zu sehen ist, und beherbergt nun ein Arbeitszimmer. Zum Garten hin wurden zwei komplett verglaste Erweiterungen angefügt, wobei die Fensteranlage statisch von der Konstruktion gelöst ist, um die Fassade leichter wirken zu lassen. Um die Anbauten und das Bestandshaus optisch zusammenzuhalten, schlugen die Architekten ein durchgehendes Vordach vor. Es ist mit eloxiertem Blech verkleidet, wird gehalten von einer V-förmigen Stütze in dem kleinen, mittig liegenden Hof und stellt in der Gartenansicht das bestimmende horizontale Element dar. In der Perspektive verschwindet optisch so der zurückversetzte, höhere neue Dachaufbau und die Flachdachanmutung wird verstärkt.

1 Anbau 2 Schlafzimmer 3 Bad 4 Esszimmer 5 Arbeiten 6 Wohnzimmer 7 Anbau
8 Küche

Den Anbauten vorgelagert befindet sich jeweils eine Holzterrasse. Vor dem Wohnraum schiebt sie sich über einen recht großen, von Bäumen umstandenen Teich, der zum Bestand gehört. Von der Terrasse beim Anbau an das Schlafzimmer, den die Bauherrin als Atelier nutzt, geht der Blick in den offeneren Teil des Gartens.

Mit der Sanierung stellte sich auch die Frage, wie der Bestand der 1960er Jahre baulich in die heutige Zeit überführt werden kann, insbesondere im Hinblick auf die energetischen Anforderungen. Da das Dach völlig marode war, musste es komplett erneuert und entsprechend gedämmt werden. In den Außenwänden wurden keine Eingriffe vorgenommen, so konnte auf eine energetische Ertüchtigung verzichtet werden, die Traufkante und die Dachanschlüsse wurden jedoch so ausgebildet, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Dämmung aufgebracht werden kann.

Letztendlich fehlt dem Haus noch immer diese spezifische Leichtigkeit, wie sie beispielsweise die gerne als Referenz herangezogenen Case Study Houses aufweisen, die ja nicht zuletzt durch elegante Details erzeugt wird, die heute kaum noch realisierbar sind. Dennoch erscheint das Haus nun mit den typischen Kennzeichen westdeutscher Bungalows jener Zeit – abgesetztem, auskragendem Flachdach, großen Verglasungen zum privaten Garten und den damit verbundenen Assoziationen zur Architekturmoderne – viel mehr als Zeitzeuge als vor dem Umbau und der Sanierung. Und wenn man aus etwas Entfernung die Augen ein wenig zusammenkneift, scheint die horizontale Linie des Vordachs tatsächlich inmitten der hochaufragenden Kiefern etwas zu schweben.

Das reduzierte Design der Skate Air Betätigung von GROHE passt optimal zur zeitlosen Gestaltung des Hauses. Die Zwei-Mengen-Technologie unterstützt die Bewohner zudem bei der bewussten Wassernutzung.
Foto: Jasmin Schuller.

Architekten

Zappe Architekten

Torstraße 154, 10115 Berlin

www.zappearchitekten.de

Zappe Architekten wurde 1995 gegründet. Mit Standort in Berlin-Mitte hat das neunköpfige Büro überwiegend Einfamilien- und Sommerhäuser realisiert. Weitere Schwerpunkte sind Erweiterungsbauten, Restaurierungen und Innenarchitektur.

Projekte (Auswahl)

2019 Erneuerung Kaiserbahnhof, Halbe
2017 Maisonettewohnung mit Dachgarten, Berlin
2017 Wohnhaus, Berlin-Grunewald

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